Presseberichte | Verkehrsrecht

Ölwechsel mit Folgen

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Der Kläger ließ an einem Samstag in einer Niederlassung der Beklagten bei seinem mit einem Dieselmotor ausgestatteten Pkw zu einem Preis von 25,00 € das Motorenöl und den Ölfilter wechseln. Am darauffolgenden Montag fuhr der Kläger, welcher die Woche über auf Montage arbeitete, auf der Bundesautobahn mit einer Geschwindigkeit von ca. 210 km/h. Plötzlich beobachtete er hinter seinem Fahrzeug eine riesige Rauchwolke sowie eine leichte Qualmentwicklung aus dem Motorraum. Er hielt sofort auf dem Seitenstreifen an und stellte den Motor ab. Ein herbeigerufener Monteur des ADAC-Pannenhilfedienstes stellte ausgelaufenes Öl im gesamten Motorraum fest. Nach dem Abschleppen wurde in einer Werkstatt nach einer Motorreinigung festgestellt, dass sich der Ölfilter gelockert hatte und dadurch ein Ölverlust eingetreten war. Der Motor war zerstört und es musste ein neuer Motor eingebaut werden. Die Reparaturkosten des Klägers beliefen sich auf 6.077,00 €. Darüber hinaus machte der Kläger für die Reparaturzeit Mietwagenkosten in Höhe von 60,00 €, Verdienstausfall in Höhe von 125,00 € und 60,00 € für einen weiteren Ölwechsel gegenüber der Beklagten geltend. Diese lehnte aber eine Bezahlung des Schadens ab. Der Kläger musste daher seinen Schadenseratzanspruch gerichtlich durchsetzen und bekam Recht.
Der Kläger hat gegen die Beklagte einen Anspruch auf Zahlung von Schadenersatz wegen Pflichtverletzung aus dem Werkvertrag der Parteien über den Motoröl- und Ölfilterwechsel. Hierzu wurde durch das Gericht ein Sachverständigengutachten eingeholt. Durch dieses ist dem Kläger der Beweis gelungen, dass die Beklagte den Motorschaden durch eine Pflichtverletzung eines ihrer Mitarbeiter verursacht hat. Der Mitarbeiter hatte den ausgetauschten Ölfilter am Motorblock des Pkw des Klägers nicht ordnungsgemäß festgezogen, weshalb sich dieser während der Fahrt von selbst lösen konnte, dann zu einem starken Ölverlust und zu einem Schaden am Motor geführt hat. Andere technische Ursachen, insbesondere die vorhergehende hohe Laufleistung des Fahrzeugs mit 140.000 km, hat das Gericht ausgeschlossen, da einschlägige Beschädigungsspuren an den Bauteilen nicht festgestellt wurden. Der Beklagten ist der Gegenbeweis nicht gelungen. Der äußere Ablauf, d.h. nur wenige Tage nach einem Ölfilterwechsel verursacht ein nicht ordnungsgemäß festgezogener Ölfilter einen Motorschaden, lässt nach Ansicht des Gerichts die Vermutung zu, dass der Fehler im Rahmen des Filterwechsels geschehen ist. Die Beklagte konnte diese Vermutung nicht erschüttern. Die Beklagte hatte die vorliegende Pflichtverletzung auch zu vertreten, da ihr das Verschulden des Mitarbeiters, welcher durch die unsachgemäße Befestigung des Ölfilters die im Verkehr erforderliche Sorgfalt nicht eingehalten hat, zuzurechnen ist.

Der Kläger erhielt im vorliegenden Fall aber nicht den vollen Reparaturschaden ersetzt, da er sich für den Einbau eines neuen Motors einen Abzug alt für neu gefallen lassen muss. Das Gericht hat hier einen Abzug von 30% als angemessen angesehen. Des Weiteren kann der Kläger die Mietwagenkosten sowie seinen Verdienstausfall ersetzt verlangen. Nicht zugesprochen wurde ihm dagegen der weitere Ölwechsel, da für das Gericht nicht nachvollziehbar war, warum der Kläger kurz nach dem Einbau des neuen Motors einen erneuten Ölwechsel durchführen ließ. (Landgericht Halle, Urteil vom 20.12.2002, Az.: 9 O 122/01)