Presseberichte | Verkehrsrecht

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

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Es ist ein kühler und nassgrauer Herbstmorgen und nur ungern schickt man bei solch einem Wetter seinen Hund vor die Tür. Doch was soll´s, was muss das muss und mit diesen Worten gibt der noch rüstige 70-jährige Rentner B. seiner Frau einen Kuss auf die Wange, steigt ins Auto und braust, noch eh seine Frau ihm zurufen kann, dass er doch bitte langsam fahren möge, davon. Herr B. hat heute einen wichtigen Arzttermin und zu diesem möchte er natürlich auf keinen Fall zu spät kommen. Die Praxis des Hausarztes befindet sich in der übernächsten Ortschaft und eigentlich kennt Herr B. den Weg zu seinem Arzt im Schlaf. Doch heute soll alles anders sein. Kurze Zeit später huscht plötzlich vor seinem Auto etwas Größeres über die Straße. Herr B. reagiert sofort und in der Angst, etwas überfahren zu können, bremst er sein Fahrzeug abrupt ab. Bevor der Wagen aber zum Stehen kommt, ertönt ein lauter Knall und Herr B. verspürt, dass sein Körper ruckartig nach vorn gedrückt wird. Völlig verwirrt steigt er aus dem Auto. Noch völlig unbegreiflich was geschehen ist, kommt ihm Frau S., welche mit zu geringem Abstand direkt hinter ihm gefahren war, erbost entgegen. "Haben sie denn keine Augen im Kopf und warum haben sie eigentlich gebremst?", fragt Frau S. wütend. Herr B., noch völlig unter Schock, zuckt mit den Schultern und versucht Frau S. zu erklären, dass er gedacht habe, dass ein Tier die Straße kreuzt und er deshalb bremsen musste. All dies schien Frau S. aber nicht zu interessieren. Sie schimpfte weiter auf den Rentner ein und machte diesem Vorwürfe, dass er rücksichtslos fahren und auf andere Verkehrsteilnehmer nicht achten würde. Eingeschüchtert vom Auftreten der Frau S. erklärte Herr B. sodann, dass Frau S. im Recht sei und er am Unfallgeschehen die alleinige Schuld trägt. Mit den Worten, dass die Versicherung den Schaden übernehmen wird, übergab der Rentner Frau S. einen kleinen Zettel, auf welchem neben den Daten der Versicherung auch der Hinweis stand, dass sich Herr B. als Verursacher sieht. Mit diesem wandte sich die Geschädigte Frau S. an den Haftpflichtversicherer. Dieser glich jedoch den Schaden nicht aus, sondern vertrat die Ansicht, dass Frau S. an der Auffahrsituation Schuld sei. Man traf sich wieder, nunmehr beim Gericht mit der Begründung, dass der Rentner B. am Unfallort seine Alleinschuld eingestanden und somit ein Schuldanerkenntnis erklärt hat. Ferner sei wohl auch kein Tier auf der Straße zu sehen gewesen, so dass Herr B. hätte gar nicht bremsen müssen. Wird die Klage der Frau S. Erfolg haben? Eher nein, jedenfalls nicht in vollem Umfang. Man darf hierbei nicht vergessen, dass das Schuldanerkenntnis des Herrn B. auch für den Versicherer wirken muss, da dieser zahlen soll. Um eine solche Wirkung zu erreichen, müsste die Versicherung der Erklärung eines Anerkenntnisses zuvor zugestimmt haben. Aus unserer Tätigkeit ist uns kein Fall bekannt, in welchem jemals ein Haftpflichtversicherer eine solche Zustimmung erteilt hat. Vielmehr behalten sich die Versicherungen eine eigenständige Prüfung der Angelegenheit vor. Dies ergibt sich auch aus den der Kraftfahrtversicherung zugrundeliegenden Versicherungsbestimmungen, so dass die Aussage des Herrn B. hier der Frau S. nicht zum Erfolg ihrer Klage verhelfen wird. Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass das Zugeständnis des Herrn B. als Indiz für ein mögliches Fehlverhalten und Mitverschulden am Unfall gewertet werden kann, so dass die Klage der Frau S. hier mit einem Teilerfolg endet.

Zum Schluss daher unser Rat: Angaben zu Schuld oder Verursachung sollten tunlichst vermieden werden.